Gewalt (be)trifft alle!
Gewalt verletzt und tut weh.
Gewalt macht Angst.
Gewalt macht hilflos.
Gewalt treibt zur Rache.
Gewalt zerstört Beziehungen.
Gewalt untergräbt unsere Zivilisation. Gewalt gibt aber auch Macht und Beachtung – dem, der sie ausübt.
Gewalt ist nicht nur „bei den anderen“. Gewalt kommt nicht erst in den Alltag durch aggressive Jugendliche, randalierende Fußballfans oder rechte Cliquen – sie entwickelt sich inmitten der Gesellschaft, mitten unter uns und in uns.
Gewalt beginnt nicht erst mit der Ohrfeige oder dem „Schlag auf die Fresse“, sondern
-
erwächst aus Konflikten, die nicht konstruktiv bearbeitet werden konnten.
-
zeigt sich bereits in einem verletzenden Verhalten, das die Persönlichkeitsgrenzen anderer nicht respektiert.
-
versteckt sich in (heimlichen) Denkweisen, die Gewaltanwendung rechtfertigen.
Deshalb ist die Auseinandersetzung mit eskalierenden Konfliktmustern, mit latent gewalthaltigen Übergriffen und verletzenden Ausgrenzungen im eigenen Alltag ein Thema für alle.
Stark werden, um der Gewalt zu widerstehen
Wer auf Gewalterfahrungen keine befreiende Antwort findet, läuft Gefahr, in der eskalierenden Wirkungslogik der Gewalt gefangen zu bleiben. Um der Sackgasse Gewalt nicht zu erliegen, sind Kinder und Jugendliche genauso wie Erwachsene herausgefordert, einen eigenen, gut gegründeten Standpunkt zu entwickeln, der sie darin stärkt, selber Alternativen gegen gewaltförmiges Denken und Handeln zu entwickeln.
Couragiertes Handeln in Konflikten muss trainiert werden
Wer der Gewalt widerstehen will, braucht „ein weiches Herz und einen harten Geist“ (Sophie Scholl). Insofern ist Courage im Kern ein spirituelles Thema, eine Frage der inneren Haltung und Bindung, die sich aber erst im praktischen Handeln als tragfähig erweist. Somit werden auch ganz praktische Erfahrungen und Fähigkeiten benötigt, zum Beispiel:
-
die bewusste Wahrnehmung von Konflikten und ihrer Entwicklungsdynamik – lange bevor es knallt.
-
die Auseinandersetzung darüber, welche Werte und Regeln im Umgang miteinander gelten sollen.
-
ein Repertoire von nichteskalierenden Handlungsalternativen, auch für „heißere“ Situationen. Das muss praxisbezogen geübt und trainiert werden.
Erfahrungen selber machen
Kinder und Jugendliche wollen selber ihre Erfahrungen machen. Mit Belehrungen kommt man häufig nicht weiter, der erhobene Zeigefinger allein bleibt meistens wirkungslos. Kinder brauchen Erfahrungsräume, in denen sie mit ihrer Kraft, ihrer Wirksamkeit und ihren Gewaltimpulsen experimentieren dürfen. Und: Nicht jede wilde Rauferei hat mit Gewalt zu tun.
Er-fahren, Be-greifen, Ein-sehen
Die Trainings gehen von der Grundannahme aus, dass wir erst dann nachhaltig etwas über den eigenen Umgang mit Gewalt lernen können, wenn Erlebnisse auch „durch den Bauch gehen“, wenn wir uns mit Sinnen, Händen und Füßen darüber auseinandersetzen, bevor wir das Erlebte in Sprache fassen. So kann man selber „er-fahren, be-greifen und ver-stehen, was Wert hat, als Regel taugt und deshalb für alle gelten soll“(Zitat aus dem Villigster Handbuch).
*********************************
„Wer Gegengewalt übt, bleibt in der Spirale der Gewalt gefangen;
er durchbricht nicht das System der Gewalt, das die Welt beherrscht,
sondern nährt es und eskaliert es in sich;
er pflanzt es in die neue Situation in neuer Gestalt ein.
Verwerfliche Mittel höhlen das gute Ziel von innen her aus
und können es nur im begrenzten Maße verwirklichen.“
(Dom Helder Camara)
|